Unterwegs auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 2

Fünf unvergessliche Tage auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 2

Wunderbare Gebirgslandschaften zu durchqueren ist schon immer meine Leidenschaft. Noch nie habe ich das in meinen geliebten Südtiroler Bergen getan. Im September 2020 wurde es dazu Zeit. Mit einer langjährigen Freundin war ich fünf Tage auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 2 unterwegs.

Startpunkt: Würzjoch

Nach einer bequemen Anreise aus Süddeutschland über den Brennerpass und die Staatsstraße Pustertal biegen wir kurz vor Bruneck in das Gadertal ab, auch Abteital genannt ab. Dieses Tal zählt in Südtirol zu den wenigen Tälern, wo noch ladinisch gesprochen wird. Viele Schilder, auch Ortschilder, sind deshalb 3-sprachig: ladinisch, italienisch und deutsch. Vor St. Martin in Thuns biegen wir die kurvenreiche Straße zum Würzjoch ab. Durch kleine Dörfer, liebevoll hergerichtet, grüne Wiesen und Almen schlängelt sich der Weg nach oben. Ein paar Mal geht es wieder bergab und nach gut 25 Minuten haben wir unser Ziel erreicht: Die Ütia di Börz, unsere erste Übernachtung. Bei einem leckeren Südtiroler Essen lassen wir den Tag ausklingen. Das Wetter ist regnerisch und grau und deshalb gibt es für uns keinen Grund, vor die Tür zu gehen.

Tag 1: Würzjoch – Schlüterhütte

Gehzeit 1 Std. ohne Gipfel (mit Gipfel Peitlerkofel zusätzlich 3 Stunden)
Aufstieg: 350 Hm – Abstieg: 50 Hm

Nachdem uns heute das Wetter nicht so wohlgesonnen ist, nur Nebel und Wolken und keine Sicht, starten wir unsere Tour ganz gemütlich nach dem Frühstück. Wir schultern unsere ungewohnten schweren Rucksäcke und ganz langsam setzen wir uns in Bewegung. Wir genießen die frische und feuchte Luft, Sicht gibt es fast keine und mit unseren Gedanken allein, steigen wir Schritt für Schritt im Nebel nach oben. Für mich ist das langsame und stete Gehen fast wie eine Meditation und ich hänge meinen Gedanken nach. Mit zunehmender Steigung verstummen die Gespräche, denn jeder von uns beiden ist mit sich. Ursprünglich hatten wir auch den Aufstieg auf den Peitlerkofel geplant Leider streichen wir das angesichts des Wetters. Deshalb setzen wir nach einer kurzen Pause auf dem Peitlerjoch und einem Schluck aus der Trinkflasche unseren Weg in Richtung Schlüterhütte fort.

Ein gemütlicher Weg auf gleicher Höhe durch grüne Wiesenmatten begleitet uns zu unserem nächsten Übernachtungsstopp. Es erwartet uns eine sehr gemütliche, ansprechende eingerichtete, privat geführte Hütte, auf der wir uns sehr wohlfühlen.

Schlüterhütte am Morgen

Schlüterhütte am Morgen

Tag 2: Schlüterhütte – Puezhütte

Gehzeit 4,5 – 5 Std.
Aufstieg: 780 Hm – Abstieg: 600 Hm

Dem monotonen Nebelgrau vom Vortag ist ein strahlend schöner Tag gewichen und als wir relativ früh morgens starten, liegt der Nebel unter uns und bietet uns spektakuläre Fernsichten. Noch vor dem Frühstück sind wir auf den Beinen vor der Hütte und fangen mit unseren Handys den stimmungsvollen Morgen und den Blick von der Schlüterhütte ein. Gut gestärkt und voller Vorfreude starten wir unsere eigentliche erste Etappe auf diesem Dolomitenhöhenweg. Über das Kreuzjoch führt uns unser Weg als erstes in die steile und mühsame Wasserscharte und wir haben erstmals das Gefühl, was es heißt, in den Dolomiten unterwegs zu sein. Ganz typisch: steile und schweißtreibende Schotterkare zwischen imposant aufragenden Felswänden. Aber auch der steilste Aufstieg hat ein Ende und oben erwartet uns wieder eine neue Perspektive und tolle Ausblicke, die wir mit dem Handy festhalten.

 

 

Nach einem kurzen Abstieg geht es nochmals mühsam nach oben auf die Forcela de Siels. Endlich haben wir die Hochfläche erreicht, der Blick nach Süden öffnet sich und die Sella und die Gebirgsstöcke im Süden werden sichtbar. Langsam und gemütlich steigen wir zur Puezhütte ab, wo uns auf der Sonnenterrasse viele Tagesgäste erwarten. Nach einer längeren Pause und Stärkung und nachdem wir auch unser Lager bezogen hatten, steige ich nochmals zum Puezkofel auf. Lange stehe ich da und genieße den Rundblick. Wolken ziehen auf an der gegenüberliegenden Puezspitze und gegen 17 Uhr mache ich mich wieder an den Abstieg zur Hütte voller Vorfreude auf das Abendessen.

 

Tag 3: Puezhütte – Pisciaduhütte

Gehzeit 4 – 4,5 Std.
Aufstieg: 650 Hm – Abstieg: 545 Hm

Nun sind wir schon den dritten Tag unterwegs auf diesem Dolomitenhöhenweg Nr. 2. Ein weiteres landschaftliches Highlight erwartet uns heute. Wie jeden Morgen starten wir als eine der ersten von der Hütte, kurz vor 8 Uhr, damit wir die ersten Stunden, meisten noch alleine, die Natur genießen können. Wir wandern entlang auf der karstigen und öden, und dennoch total faszinierenden Puezhochfläche im Naturpark Puez-Geisler. Unser erste Ziel ist heute die Forcela de Crespeina. Mich faszinieren die kargen Landschaften und ich kann mich kaum satt sehen. Auf diesem Dolomitenhöhenweg unterwegs zu sein, macht mir sehr viel Freude.

Nach dem Abstieg zur Forcela de Cir und Richtung Grödnerjoch machen wir auf der einladenden Jimmys Hütte eine Pause. Wir genießen einen leckeren Espresso macchiato und ein Dolce und lassen es uns in der Sonne gut gehen. Da unser Tagesziel ja noch nicht erreicht ist, geht es dann doch nach einer Stunde wieder weiter. Wir steigen das letzte Stück zum Grödnerjoch ab, überqueren die Passtraße und gegenüber steigen wir in Richtung Pisciadu-Hütte über das Val Setus auf: Ein steiles und wildes Tal, von hohen Felswänden flankiert. In ca. gut 1,5 Stunden erreichen wir über steile Schuttkare in vielen Serpentinen und Felswänden, die durch Seilversicherungen gangbar sind, die Sella-Hochfläche. Nun ist es nicht mehr weit zur Hütte und wir schlendern gemütlich bergab und freuen uns schon auf eine Stärkung auf der Sonnenterrasse.

 

Tag 4: Pisciaduhütte – Rifugio Forcella Pordoi

Gehzeit 4 Std.
Aufstieg: 500 Hm – Abstieg: 220 Hm

Wieder erwartet uns eine spannende Tagesetappe auf diesem einmaligen und viel begangenen Dolomitenhöhenweg. Wir umrunden den gleichnamigen See, in dem meine Freundin am Vortag noch ein kühlendes Bad genommen hat, wofür ich sie echt bewundere, denn die Temperaturen sind echt frisch auf 2.500 m Höhe. Im Anschluß steigen wir stetig bergan, teilweise über einen gesicherten Steig und leichte Felsstufen, zur nächsten Hochfläche, das Val de Tita. Nach ca. 1,5 Stunden stehen wir oben mit Blick auf das Sellaplateau und es öffnet sich der Blick nach Süden. Links kann man, sofern es die Wolken zulassen, den Piz Boe erkennen. Leider hatten wir nicht das Glück, denn dichte Wolken hüllen den höchsten Gipfel des Sellastockes ein. Nun geht es weiter bergab Richtung Boehütte, die leider in diesem Jahr wegen Umbauten noch nicht offen war.

Tiefblick auf Kolfuschg

Tiefblick auf Kolfuschg

Auf dem Gipfel des Piz Boe

Auf dem Gipfel des Piz Boe

Trotz Nebel und null Sicht steigen wir den steilen Aufstieg zum Piz Boe auf (3.152 m), den höchsten Punkt und Highlight unserer 5 tägigen Etappe hoch. Oben angekommen gibt es ein paar Gipfelfotos und dann geht es wieder bergab. Über öde Karrenflächen des Sella-Plateaus geht es westwärts zu unserem nächsten Übernachtungsziel, der Pordoihütte.

 

 

Entgegen der vorhergehenden Hütten ist diese sehr klein und bietet nur 16 Gästen im Lager Platz. Dies ist unsere letzte Hüttenübernachtung und so lassen wir den Abend bei Polenta und einem guten trockenen Rotwein ausklingen. Sogar der etwas knarzige Hüttenwirt taut langsam auf.

Rifugio Forcella Pordoi

Rifugio Forcella Pordoi

Tag 5: Rifugio Forcella Prodoi – Sellajoch

Aufstieg: 250 Hm – Abstieg: 820 Hm

Unsere 5tägige Tour neigt sich langsam dem Ende zu. Ursprünglich hatten wir geplant, über das Mittagstal direkt nach Kolfuschg abzusteigen. Leider hatte uns die steile Rinne im oberen Teil des Tales einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich hatte noch einen Arbeiter auf der Boehütte gefragt, ob der Weg gangbar ist. Dieser meinte dann, ja der Schnee wäre weg und es wäre kein Problem. Leider mussten wir in der Mitte der Rinne abbrechen und wieder aufsteigen, da harte Altschneereste unser Fortkommen verhindert haben. Mit Grödeln, die leider im Auto lagen, wäre uns der Abstieg durch die Rinne gelungen. Wir kommen wieder!

Steile Rinne am Einstieg ins Mittagstal

Steile Rinne am Einstieg ins Mittagstal

Wir ändern unsere Pläne und steigen nun über das Val Plan de Siela in Richtung Sellastraße ab. Ein wunderschönes, einsames Hochtal, von einem klaren Bach und schönen Gumpen begleitet. Der erneute Aufstieg zum Sellapass war dann allerdings kein Genuss mehr. Umso mehr genossen wir oben bei einem Espresso und Aperol das Ende unserer gemeinsamen Tour.

Abstieg vom Plan de Siela Richtung Sellapassstraße

Abstieg vom Plan de Siela Richtung Sellapassstraße

 

 Pin Dolomitenhöhenweg Nr. 2

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